Was ist Glück ?
21. Oktober 2009 at 09:19 5 Kommentare
Über die Frage habe ich sicher schon so oft nachgedacht, wie jeder andere auch: was ist eigentlich echtes Glück ?
Glückliche Momente hatte ich in meinem Leben schon viele:
Ein Kompliment, einen fetten Bonus, einen tollen Urlaub, den schönsten Sonnenuntergang aller Zeiten, der erste richtige Kuss, der erste Schwips, ein geiles neues Lied, das erste Iphone, ein tolles Konzert undundund. Kennt jeder. Es sind Momente des Glücks oder auch Zeiten des Glücks.
Immer wieder hörte ich von Leuten Dinge wie: “Das wirklich wahre Glück wirst Du erst sehen, wenn Du eigene Kinder hast.” Blödsinn, dachte ich. Was wissen die denn schon ? Ist doch viel geiler, mit dem Motorrad mit knapp 300 Sachen über die Autobahn zu jagen und sich dabei keine Sorgen darüber zu machen, wie es den Kindern geht und wie die nächsten Klamotten zu bezahlen sind. Glück war für mich: einfach mal fünfe gerade sein lassen und nicht an Morgen denken müssen. Tun und lassen können, was ich will. Freiheit. Das war für mich Glück. Kinder ? Belasten.
Der eine oder andere hat es mitbekommen: seit Dezember 08 habe ich ein kleines Baby. Bis zur Geburt konnte ich mir nicht vorstellen, wie es sein wird. Die Verantwortung. Was ist zu tun ? Werde ich ein guter Vater und: was ist mit meiner Freiheit und meiner Definition von Glück ? Werde ich weiter ein glückliches Leben führen können – wo ich doch dann kaum noch Zeit und gar kein Geld mehr für mich habe, weil alles Geld in Windeln und Kleidung für das Baby investiert werden muss. Oha. Oder auch: Angst.
Ich kann nicht sagen, dass sich mein Leben in dem Moment änderte, als ich das Baby zum ersten Mal auf dem Arm hatte. Da war ich noch ganz benebelt von den Ereignissen. Außerdem konnte ich mit diesem kleinen Baby ja noch nix machen. Nur aufpassen, dass es nicht runterfällt. Damit war ich schon ganz schön beschäftigt. Hoffentlich bricht nicht plötzlich ein Arm ab oder ich habe die Finger in der Hand, weil die so klein und zerbrechlich sind.
So richtig spannend wurde es für mich – für uns – dann, als wir zuhause ankamen. Da wurde mir dann mit einem Schlag klar: MEIN Kind, MEINE Verantwortung, MEINE Zukunft. Die Angst blieb dennoch etwas.
Bis zu dem Moment, als mich das Baby zum ersten Mal angelächelt hat. Zugegeben: das dauerte noch zahlreiche Tage. Bis dahin war ich glücklich, ja. Es war aber noch eine gewisse Unsicherheit vorhanden. Als ich dann vom Baby angelächelt wurde, wusste ich zum ersten mal, was es bedeutet, WIRKLICH glücklich zu sein.
Seit dem hat es so viele Momente gegeben, in denen ich vor lauter Glück geweint habe. Da bin ich ehrlich. Vor Glück weinen ist so schön. Ich dachte, ich hätte vor Glück weinen müssen, als ich das erste eigene Iphone hatte oder als ich in der Südsee am Strand stand. Aber nein: das sind alles vergängliche, käufliche Glücksmomente. Das EIGENE Baby lachen sehen, zum ersten Mal aus der Flasche trinken sehen, wenn es das erste mal krabbelt. DAS sind für mich jetzt die Augenblicke, wo ich echtes Glück verspüre.
Glück definiere ich für mich nun so: es hat sich gelohnt zu leben. Wenn es jetzt zuende geht weiß ich: ich habe wahres Glück empfunden.
Mir erschien es immer unvorstellbar, wie man so glücklich sein kann. Jeder, der keine Kinder hat, kennt das: ja, ganz süß so ein Baby. Aber wenn´s dann schreit, dann ist es doch auch toll, wenn man´s wieder abgeben kann. Nervt doch dann nur. Neenee, das ist ganz anders, wenn es das eigene Baby ist. Wirklich. Glaubt mir.
Für werdende Eltern hier ein Buchtipp: Gernot Gricksch: “Als die wunderbarste Frau der Welt sagte:’Wir sind schwanger!’ (http://bit.ly/TkWe2 ). Perfekt zur Vorbereitung.
Ich habe, nachdem das Baby da war, mein Leben nicht komplett umgestellt. Ich bin noch immer ein Technik- und Musikfreak, sammle DVD´s, spiele mit meinen Ipods herum und bin im großen und ganzen der Alte geblieben. Eigentlich. Denn in Wirklichkeit habe ich mein Leben auf das Baby ausgerichtet: habe meinen Job geschmissen, um mich um das Kind zu kümmern. Mir wurde einfach plötzlich klar, dass es doch noch weit mehr gibt, als ein dickes Einkommen, eine fette Firmenkarre und Erfolg im Beruf. Daraus lässt sich kein wahres Glück ziehen. Das ist alles flüchtig und vergänglich. Das eigene Kind bleibt. Wie wichtig und unverzichtbar ich bin, wurde mir schnell klar, als ich von meinem Job auf eigenen Wunsch freigestellt wurde: ich bekam noch den einen oder anderen Anruf, weil noch Kleinigkeiten zu klären waren. Die Anrufe wurden weniger und heute, nach ein paar Monaten, scheint sich kaum noch jemand an mich zu erinnern. Es gibt immer, immer, immer einen, der den eigenen Job auch machen kann. Niemand ist im Job unverzichtbar. Jeder ist ersetzbar. Beim eigenen Baby sieht das anders aus…
Ich möchte hiermit niemanden animieren, Kinder in die Welt zu setzten. Mich hat es immer genervt, wenn die Kollegen oder Freunde gesagt haben, ich müsse doch nun auch unbedingt Kinder haben, das sei ja so toll. Nee, dass muss jeder mit sich selbst ausmachen. Für mich persönlich gehört auch mehr dazu, als einfach ein Kind zu zeugen: die Umstände müssen stimmen. Den perfekten Moment, ein Kind in die Welt zu bringen, gibt es sicher nie. Dennoch sollte die Partnerschaft sehr gut laufen und man sollte sich zumindest darüber im klaren sein, wie die Familie in den nächsten Jahren ernährt werden kann. Kann zumindest nicht schaden, sich darüber Gedanken zu machen. Aber da bin ich als Mann sicher auch anders als so manche Frau, die offenbar irgendetwas in sich spürt ‘Ich muss ein Kind haben. Jetzt. Um jeden Preis’. So war es bei uns nicht. Zum Glück !
Eintrag abgelegt unter Familie. Tags: Glück, Kinder, Verantwortung.
5 Kommentare Füge Deinen hinzu
Kommentar verfassen
Diesen Artikel zurückverfolgen | Abonniere Kommentare via RSS Feed
1. Twitter Trackbacks for Was ist Glück ? « Kaihamburg's Blog [kaihamburg.wordpress.com] on Topsy.com | 21. Oktober 2009 um 10:02
[...] Was ist Glück ? « Kaihamburg's Blog kaihamburg.wordpress.com/2009/10/21/was-ist-gluck – view page – cached Über die Frage habe ich sicher schon so oft nachgedacht, wie jeder andere auch: was ist eigentlich echtes Glück ? — From the page [...]
2.
schwarzSicht | 21. Oktober 2009 um 10:18
Sehr bildlich, glücksberauscht und zutreffend beschrieben, muss ich eingestehen, ebenfalls Neuvater.
Aber ich habe gesehen, was aus ihnen wird…
Nageln sie sich diesen, ihren eigenen Text übers Bett, kleben Sie ihn innen an die Windschutzscheibe des Familienkombis, tragen Sie ihn in Ihrer Fotobörse, wo mal Geld drin war, allüberall mit sich.
Und wenn Ihnen dann wieder einmal Ihr Teenager auf der geschundenen Nase herumtanzt, alles einsaut, nix wegräumt, die Ihnen wertvollsten Gegenstände zerdeppert, weil sie Ihm seinen Willen nicht gewähren können, wenn er Ihnen hysterisch brüllend den Feierabend ruiniert, wenn sie nächtelang wachliegen, weil das Drecksplag einfach nicht wie vereinbart um 12 von der Party zurückkommt, wenn es schließlich unter den Augen aller versammelten Nachbarn im Morgengrauen von der Polizei angeliefert wird, volltrunken, vollgepumpt mit Drogen, verwundet und straffällig geworden, wenn Ihnen Ihr Teenager den Wagen im Vollsuff zu Schrott fährt, weil er den Schlüssel aus Ihrer Jacke geklaut hat, wenn Sie plötzlich Grossvater werden, obwohl Ihr Kind selbst noch eines ist und damit wieder alles von vorne beginnt, DANN lesen Sie diesen Text noch einmal. Und fühlen noch einmal kurz das Glück, das Sie durchströmte, als Sie ihn verfassten. Bevor der Hirnschlag Sie zu einem sabbernden Pflegefall macht, weil Ihre Brut Ihnen den letzten Nervt raubte…;-)
3.
kaihamburg | 21. Oktober 2009 um 10:28
Hmmm, bei Dir scheint der Name Programm zu sein. Ich zumindest sehe nicht alles schwarz. Es ist wahrlich nicht so, dass alle Kinder im Drogenrausch die Autos der Eltern kaputt fahren. Ich zumindest habe das meinen Eltern erspart. Ich bin sicher, da hat die Erziehung das eine oder andere zu beigetragen. Sicher, es wird auch immer Momente geben, in denen ich mir die aktuellen Glücksgefühle zurückwünsche. Gleichwohl: ich möchte keine Sekunde missen und werde das meinige dazu beitragen, dass meine Tochter mir nicht auf der Nase herumtanzt. Nicht alle Kinder werden Psychos und bringen ihre Eltern um den Verstand. Und das ist auch gut so.
By the way: wenn Du überzeugt bist, dass alles so schlimm wird: warum hast Du dann kein Kind ?
4.
schwarzSicht | 21. Oktober 2009 um 11:22
Ich habe doch eins. Ein ganz Kleines. Ich sehe dem Grauen offenen Auges entgegen. Für den Fortbestand der menschlichen Rasse. Meine Gene dürfen nicht sterben.
Bedaure, aber ich reagiere immer anschwärzend auf Rosarot. Ich bin so, ich meins nicht böse…
5.
Rocktpapa | 21. Oktober 2009 um 10:21
Yeah, auf einmal darf man jeden Tag die Welt retten. Naja, nicht die ganze zur Alle, aber für einen kleinen Scheißer. Das ist schon sehr beeindruckend!