Es gibt sie: Gerechtigkeit

12. Juni 2009 at 00:01 5 Kommentare

Also:

Ich begann im Juli 2000 meinen neuen Job und dachte nur noch selten an meinen alten Chef. Nur soviel war mir klar: es war für mich die richtige Entscheidung gewesen, den Laden zu verlassen, was ich ggf. schon viel früher hätte machen sollen: ich verdiente plötzlich deutlich, sehr deutlich mehr als zuvor, hatte mehr Spaß an der Arbeit, lernte neue Leute kennen und hatte die Gelegenheit, ein paar Monate im Ausland zu arbeiten.

So manches mal jedoch dachte ich an ihn: meinen alten Chef… Auf die Frage, warum ich den Job gewechselt hätte, nannte ich stets a) dass mich bei meinem alten Job doch zahlreiche Dinge genervt haben (dazu ggf. später mehr – Einblicke ins Großbankleben) und b) dass ich ein Arschloch als Chef hatte und der mich dazu gebracht hatte, mich überhaupt umzuschauen. Hätte ich ja seinerzeit nicht gedacht, dass mein Jobwechsel eine solche Verbesserung mit sich bringt – und im Nachherein ein echter Karriereturbo werden sollte.

Doch so manches mal – und nicht nur wenn ich darüber sprach – fragte ich mich: was macht mein alter Chef. Sitzt er noch fett und feist mit seiner vom rauchen ledern gewordenen Haut da, hustet ungeniert, dass einem schlecht wird und schickaniert seine Mitarbeiter ? Ich wusste es nicht. Ich wollte es wissen, dachte mir dann aber stets im nächsten Moment: der Typ hat es nicht verdient, dass ich mich immernoch über in ärgere oder mir Gedanken über ihn mache. Nun, wer kennt das nicht: gerade, wenn man an jemanden NICHT denken will, tut man es unweigerlich (erinnert mich an den Test: “Bitte denken sie jetzt nicht an den Eifelturm” …. denn: das Gehirn kann eine Verneinung nicht als solche erkennen).

Ich deutete es an und so manch einer scheint auch schon darauf zu warten, was denn geschah: ich saß also ca. ein Dreivierteljahr nach dem Jobwechsel am Schreibtisch als mich ein alter Kollege anrief, um mir zu sagen, dass mein alter Chef (ja: genau der) inzwischen nur noch ca. 75 Meter Luftlinie von mir entfernt arbeiten würde. Er sei nun bei einer rennomierten Privatbank gelandet und würde da richtig Gas geben…. Weitere Informationen gäbe es nicht.

Das veranlasste mich dann doch endlich, meine alten Kontakte spielen zu lassen: warum geht jemand nach über 25 Jahren bei einem Unternehmen – also quasi unkündbar – freiwillig woanders hin. Er wurde gut bezahlt, konnte offenbar wilde Sau spielen ohne dafür belangt zu werden und hatte einen tollen Job. So erfuhr ich es:

Meinem Chef wurde der Job, den er machte, zu langweilig und so bewarb er sich intern auf eine Stelle, die seit langem ausgeschrieben war. Es ging um eine Position, die ihm schon vor längerer Zeit angeboten wurde, die er aber aufgrund seiner Position nicht annehmen wollte. Wobei: die Bezahlung wäre besser, etwas geringere Personalverantwortung, dafür aber die Möglichkeit, noch weiter Karriere zu machen (obwohl er schon wirklich weit war…). Aber er hatte ja auf seinem Posten nichts auszustehen. Aber wie es denn so ist, der Job wurde ihm zu langweilig und er bewarb  sich auf die eben genannte Position.  Das hatte dann zur Folge:

Seine Bewerbung ging an a) die Personalabteilung b) den Betriebsrat und b) seine Vorgesetzten.

In der Zwischenzeit, also vom Zeitpunkt, seitdem ihm der Job das letzte Mal angeboten wurde und dem Eingang seiner Bewerbung, passierten wohl einige Dinge, die sich im Lebenslauf einer Führungskraft nicht so gut machen. Meine gut informierte Quelle berichtete: eine einfache Absage für die Bewerbung wäre nicht gegangen, da die Qualifikationen sowie die Vita die Besetzung der Stelle durch meinen (ex-) Chef gerechtfertig hätte. Zwickmühle. Und so wurde einfach das Profil der neu zu besetzenden Position geändert: 3 Gehaltsstufen unter der bisherigen und geringe Verantwortung. Somit musste die Personalabteilung – leider, leider – eine Absage erteilen. Man hätte aber noch eine schöne, gut dotierte Stelle in Dresden frei – da würde man ihn doch gern sehen (ausgeschlossen: dickes Haus im besten Viertel Hamburgs, alle Freunde hier und noch nie im Osten gewesen…). Da er jedoch auch mit der Bewerbung gezeigt hätte, dass er seine alte Position nicht mehr mag, sollte man sich doch gemeinsam etwas einfallen lassen. Im übrigen gäbe es für seine aktuelle Position auch schon jemanden, der “sehr gern” dort arbeiten würde.

Jetzt mag man glauben, das seien Zufälle. Ich weiß jedoch verbindlich vom Betriebsrat, dass von denen tüchtig Druck gemacht wurde, dem Kerl keinen anderen adäquaten Job intern anzubieten. Begründung: Mobbing. Unbewiesen jedoch qualifiziert aktenkundig. Der Versuch, ihm zu kündigen wurde aufgegeben, weil die Beweislage zu dünn war.

Man hat also meinem Bericht tatsächlich Glauben geschenkt und diesen auch nicht vergessen, als es darauf ankam.

So blieb meinem Chef nichts anderes übrig, als sich extern nach einer neuen, gut bezahlten Position umzuschauen, was er auch tat. So kam er also erfolgreich zu seiner neuen Position in der kleinen, feinen Privatbank…

Aber warum nun meine Genugtuung:

Es dauerte noch drei Monate, da erhielt ich erneut einen Anruf:

Der Typ habe bei der Privatbank angefangen und sich bereits innerhalb der ersten 14 Tage mit einem gleichgestellten Kollegen in die Haare bekommen (ich kann mir gut vorstellen, wie das ablief…). Es ging um die künftige Ausrichtung der Niederlassung. Dummerweise wurde eben dieser gleichgestellte Kollege nach dann weiteren 8 Wochen in den Vorstand berufen. Seine erste Amtshandlung: die fristlose Entlassung des Kerls, der ihm die Wochen zuvor gehörig auf die Nerven ging: mein Exchef.

Mangels Alternativen und weil sich eine fristlose Entlassung am Bankenmarkt Hamburg sehr, sehr schnell herumspricht, hat er sich dann selbständig gemacht: als Vermögensberater.

Ich will nicht überheblich klingen, aber ich weiß von Busfahrern, sie sich als Vermögensberater selbständig gemacht haben. Aber ein Führungskraft !? Niemals. In einer Funktion, die er innerhatte, hätten ihm eigentlich Tür und Tor offenstehen müssen – andere haben es auch geschafft. Das Telefonat von damals, hierfür verbürgen sich Verantwortliche, wurde ihm zum Verhängnis. Okay, hätte er sich nicht auf eine andere Stelle beworben, wäre vielleicht nichts geschehen. Aber so gab er seine sichere Position auf, wechselte den Job, den er dann verlor (aufgrund seiner großen Schnauze) und endete da, wo für andere die Karriere mit 20 Lebensjahren oder nach einer Karriere als Wirt beginnt.

Ein weiteres Jahr später wurde ein Kollege (der auch von meinem vorherigen Arbeitgeber kam und meinen Exchef gut kannte) von meinem Exchef zu Essen eingeladen. Ob er nicht ein paar Aufträge für ihn hätte – man könne sich ja mal aushelfen.  Mein Kollege kam von dem Treffen zurück und schüttelte nur den Kopf. Ich höre ihn noch sagen: “Was für eine jämmerliche Gestalt er geworden ist.”

Das ganze liegt nun schon acht Jahre zurück. Und noch heute erkundige ich mich regelmäßig, was mein Exchef macht: er sitzt in einem winzigen Büro, das total unaufgeräumt ist, und bekommt ab und zu mal ein paar Aufträge. So richtig gern mit ihm zusammenarbeiten will aber angeblich keine mit ihm – er habe eine unangenehme Art an sich und wirke irgendwie unzufrieden.

Komisch.

————–

Ich versichere, dass sich alles genau so zugetragen hat. Ich habe auch hier nichts hinzugefügt oder meiner Fantasie entspringen lassen. Jetzt mag der geneigte Leser sagen: na und – so spannend ist das doch auch nicht. Das sehe ich anders: ein Typ ist über seine große Fresse und sein zu großes Ego gefallen und musste dann erleben, was passieren kann.

Ich bin sicher kein gläubiger Mensch, aber auch diese Geschichte zeigt mir:  Jeder bekommt das, was er verdient. Der eine früher, der andere später.

Über Feedbacks freue ich mich.

Eintrag abgelegt unter Job. Tags: .

Rache: das Ende meines 1. Jobs Gerechtigkeit: noch so eine Erfahrung…

5 Kommentare Füge Deinen hinzu

  • 1. _buck  |  12. Juni 2009 um 16:07

    Erstmal danke für die Fortsetzung. ;) Das Warten hat sich gelohnt; eine interessante und irgendwie befriedigende Geschichte, die sogar ein bißchen Mut macht.

    Was aber bleibt ist das ungute Gefühl, dass Arschlöcher eben doch leichter Karriere machen – irgendwie muss der Mann ja irgendwann mal auf seinen Posten gekommen sein – weil sie nach rechts und links auskeilen und wie Unkraut die wirklich guten Mitarbeiter zu überwuchern und abzutöten.

    Und diesen Menschen ist, davon bin ich überzeugt, zu einem guten Teil die jetzt erlebte Krise zuzuschreiben… aber das waäre wohl ein Thema für einen eigenen Blogeintrag – oder ein Buch… ;)

    Antwort
  • 2. flatchfu  |  10. August 2009 um 16:03

    Hey, bin durch Twitter auf deinen/ihren Blog gestossen und wollte nur mal kurz anmerken: Eine wirklich gut erzählte Geschichte. Freue mich über den guten Ausgang.

    Nehme den Blog gerne in meine Lese-Liste auf ;) – Was mich etwas stört, ist die weiße Schrift. Nach einiger Zeit verschwimmt alles und ich muss mir eine kleine Pause gönnen. – Eigentlich habe ich nichts mit den Augen xD

    Grüße,
    Flatch

    Antwort
    • 3. kaihamburg  |  10. August 2009 um 16:55

      Danke für die freundlichen Worte. Das Schriftbild werde ich mir gleich mal vornehmen und ändern. Guter Hinweis.

      Antwort
      • 4. flatchfu  |  10. August 2009 um 21:31

        Sieht hübsch aus und lässt sich nun wunderbar lesen. Werde das neue Layout mit einem Bierchen & Kippchen feiern =)

  • 5. Johanna  |  15. Oktober 2009 um 15:37

    Hallo, bin duch Zufall über Twitter auf den Blog gestossen und mußte echt lachen. Das erinnert mich an meinen Ex-Arschlochchef, der Leute auch prima zum heulen bringen konnte. Seine Firma ist inzwischen insolvent und soviel ich weiß, versucht er sich jetzt erfolglos als Unternehmensberater…
    Es stimmt: Jeder bekommt früher oder später das was er verdient!

    Antwort

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