Rache: das Ende meines 1. Jobs
8. Juni 2009 at 16:42 1 Kommentar
Nach dem beschriebenen Telefonat mit meinem Chef (ich war selbst Chef von 15 Leuten), zitterte ich am ganzen Leib. Man stelle sich das vor: ich habe in all den Jahren nie wirklich aufgemuckt, immer meine Arbeit gemacht und war meinen Mitarbeitern sicher ein guter Chef.
MEIN Chef hingegen war seit Jahren für seine Art bekannt: in Gutsherrenmanier führte er seinen Laden (seine Niederlassung und die angeschlossenen Filialen – insgesamt sicher ca. 100 Leute). Er war bekannt dafür, quasi jeden Mitarbeiter zum heulen bringen zu können – mit einer Art, die ich damals schon zum Kotzen fand, die ich aber aufgrund meiner Stellung und meiner Erziehung hingenommen habe. Es war aber merkwürdig: alle in der Firma wussten, dass der Typ einen an der Waffel hat und gern Untergebene niedermacht. Aber: keine hat was unternommen ! Selbst seine Vorgesetzten wussten ob der teilweise haarstreubenden Geschichten. Es war sicher eine einfache Rechnung: absägen konnte und wollte ihn niemand, weil seine Methoden auch dafür sorgten, dass der Laden lief und sehr, sehr erfolgreich war. In Konzernen wird dann gern mal über die menschliche Seite hinweggesehen. Wir sind ja nicht im Streichelzoo ! Es gab über meinen Chef so viele Geschichten, dass ich darüber ein Buch schreiben könnte. Es gab damals keinen, der je mit ihm zu tun hatte, der keine Geschichte zum besten geben könnte, was ihm angetan wurde. Auf der anderen Seite war eben dieser Chef auf Feiern oder im privaten Gespräch immer lustig. Tja, aber nur, wenn man von ihm zu den “Guten” gezählt wurde. Zu denen zählte ich mich. Bis zu eben diesem Telefonat.
Mit weichen Knien verließ ich also das Büro (einige meiner Mitarbeiter haben mitbekommen, dass ich während des Telefonats dunkel anlief und den Hörer aufgeknallt hatte – BEI DEM CHEF ). Ich ging also in ein Besprechungszimmer und atmete erstmal kräftig durch. Bis ich das Zittern im Griff hatte, überlegte ich mir, was ich machen werde: sofort kündigen? Gute Idee, aber ohne Job wollte ich auch nicht sein. Dem Kerl die Reifen aufstechen ? Super Idee, ich hatte auch schon einen Plan, wie ich das machen könnte, ohne jemals erwischt zu werden. Nur: ich war und bin nicht kriminell. Außerdem hätte ich viel zu viel schiss davor gehabt. Nein, also auch keine gute Idee.
Während ich so nachdachte, kam eine Mitarbeiterin ins Zimmer und fragte, ob sie wohl richtig gehört hätte: sie hätte verstanden, ich hätte dem allseits gefürchtetem Chef meine Meinung gehustet und dann aufgelegt. Das könne aber wohl kaum sein, oder ? Als sie dann mein Gesicht sah wusste sie: es ist tatsächlich so geschehen. Statt eines Angstschreis, eines Ohnmachtsanfalls oder was es noch so alles hätte geben können, geschah etwas, mit dem ich nicht gerechnet hätte: sie gratulierte mir. Der Sack hätte das nicht besser verdient. Das machte mich zunächst sehr glücklich, hielf mir aber in der Situation natürlich auch nicht. Ich hatte einen Chef, der mich nicht mehr will, quasi eine aussichtslose Situation und keinen neuen Job in Sicht.
Ich wollte Rache.
So kam mir die Idee: ich wollte allen, die ich kenne und die auch meinen Chef kennen, von dem Telefonat und der Drohung erzählen. Denn das Fazit des Gespräches war eindeutig: tust Du nicht, was ich sage, fällst Du in Ungnade und wirst bis zum Ende Deiner Tage nichts mehr zu lachen haben in diesem Laden. Nie wieder eine Gehaltserhöhung, den kleinsten Bonus, immer Stress.
Nachdem ich also ein Glas Wasser bekommen hatte, erzählte ich meiner Mitarbeiterin von dem Gespräch im Detail. Ich ließ nichts aus und fügte nichts hinzu. Ich blieb einfach sachlich. Am ende des Gespräches nickte sie und sagte: “Typisch. Aber was wollen sie jetzt tun?” Da war es klar: ich tue es wirklich. So sprach ich zunächst mit jedem meiner Mitarbeiter und berichtete von dem Telefonat. Ich sprach auch am selbsten Tag noch mit der Kreditabteilung und erläuterte, was vorgefallen war. Dort versuchten die Kollengen noch, den Vorfall herunterzuspielen und an meiner Statt die Unterschrift zu leisten. Wollte ich aber nicht. Ich hatte mich entschieden, den Kampf David gegen Goliath aufzunehmen und ich wollte mich davon nicht abhalten lassen.
Noch am selben Tag vereinbarte ich einen Termin beim Betriebsrat und in der Personalabteilung: ich hätte etwas wichtiges mitzuteilen.
Bereits am kommenden Tag war ich in der Zentrale und sprach mit den entsprechenden Leuten. Auch hier: Kopfschütteln. Man bedenke: was mein Chef von mir verlangt hatte, war kein Kavaliersdelikt sondern quasi die Aufforderung zu einer Straftat. Besonders pikant wurde diese jedoch erst durch die angedrohten Konsequenzen. Also Erpressung. Was mich nicht wunderte war die Tatsache, dass weder vom Betriebsrat noch von der Personalabteilung kritische Fragen gestellt wurden. Meiner Darstellung wurde ohne Wenn und Aber Glauben geschenkt. Auch hier hatte ich eingangs angekündigt, lediglich den Sachverhalt sowie Gesprächsinhalte wiederzugeben ohne etwas auszulassen oder hinzuzufügen. Emotionsfrei (soweit das möglich war). Bei der Gelegenheit holte ich mir das Versprechen vom Betriebsrat und der Personalabteilung ein, dass der Vorgang aktenkundig wird und auch der Geschäftsleitung (also dem Chef meines Chefs) zugetragen wird. Das Versprechen erhielt ich auf Anhieb.
Bei dem Gang durch die Zentrale traf ich dann noch den einen oder anderen Kollegen und erzählte allen munter meine Geschichte, die ich inzwischen schon in der Kurzform wiedergeben konnte. Dabei bat ich höflich, diese Geschichte gern weiterzutragen. Aber bitte nichts hinzufügen – höchstens ergänzen um eigene Erfahrungen.
Auch die nächsten Tage nutze ich dazu, das erlebte weiter zu tragen. Ich war schon lang in dem Laden beschäftigt, kannte viele Leute und keiner, nicht ein einziger, bezweifelte, dass es sich genau so zugetragen hat, wie ich es erzählte. Kein “Ach, jetzt übertreibst Du aber”. Lediglich: “Gut, dass jetzt endlich mal einer die Geschichten an die große Glocke hängt. So kann das ja auch nicht ewig weitergehen.”
Ich hatte also die Saat gestreut. Keine üble Nachrede oder ähnliches. Lediglich die Wiedergabe von selbst erlebten. Also durchaus nicht unehrenhaft.
Mir war klar: in dem Laden kannst Du nicht alt werden. Den Kampf “er oder ich” konnte ich aus meiner Sicht nicht gewinnen. Rausschmeissen würde ihn niemand, ich war jedoch überzeugt, dass die gerechte Strafe auch ihn eines Tages ereilen würde. Dennoch: es gab in der Firma noch ein paar andere Dinge, die mich störten (wichtiges, aber anderes Thema) und so musste ich mir was Neues suchen.
Bevor ich zu sehr abschweife: es dauerte nur wenige Wochen und ich hatte einen neuen Job. Ich unterschrieb den neuen Vertrag, kündigte bei der alten Firma, arbeitete fleissig bis zum letzten Tag weiter und verlor kein Wort mehr über die Geschichte.
Was ich dann, ca. ein Jahr später erfuhr, liess mich jedoch aufhorchen und an die Gerechtigkeit glauben.
(Leider muss ich an dieser Stelle abbrechen, Fortsetzung folgt)
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1.
Rari | 8. Juni 2009 um 18:26
GRML.
Lass mich raten: Das Baby?
Freu mich auf den nächsten Teil