Die erste Woche mit dem iPad
Meinneues iPad und ich – die Kurzfassung…
Weiterlesen 4. Juni 2010 at 21:33 Hinterlasse einen Kommentar
Wie ist das mit einem Kind – aus Sicht eines Nerds….
Was ich den Männern weitergeben möchte, die noch keine Kinder haben und sich fragen, wie das denn wohl so ist, wenn ein Baby da ist:
ICH stellte mir die Frage in den Monaten, in denen der Bauch meiner Freundin immer größer wurde, sehr oft: wie ist das eigentlich, wenn so ein Kind da ist ? ALS es dann da war, stellte ich die nächste Frage: Jetzt bin ich doch SO glücklich, wie geht das denn jetzt weiter ?
Ich stellte die Fragen allen, denen ich zutraute, mir eine verständliche Antwort geben zu können – nicht nur: das ist ja soooo toll, warte mal ab. Nee, ich wollte das konkreter wissen.
Ein Kollege, der mich sehr gut kennt und meine Obsession für technische Spielereien wie Ipods, Handys, Spielekonsolen etc. kennt und teilt, brachte es auf den Punkt. Ich möchte das mal genau so wiedergeben, wie er´s mir gesagt hat:
„Kannst Du Dich noch erinnern, als Du Dein erstes Telespiel bekommen hast ?“ „Na klar, das ist zwar schon über 30 Jahre her, aber das vergesse ich nie: ich war total glücklich und konnte mir gar nicht vorstellen, dass es besser geht“…
Das leuchtete mir schnell ein: damals war´s das geile Tennisspiel auf dem s/w-Fernseher und ich konnte mir mit meinen 12 Jahren nicht vorstellen, dass es eines Tages etwas besseres geben könnte. Nun ja, die Entwicklung des Telespiels ist ja hinlänglich bekannt und muss nicht weiter kommentiert werden:
Irgendwann kam die PS, PS2, PS3, Wii etc. etc.
Und JEDESMAL denke ich: Super. DAS ist es jetzt. Besser kann es kaum werden… Und es kommt dann eines Tages doch wieder besser…
Jetzt komme ich zum Punkt: mit so einem Baby verhält sich das genau SO: zunächst war ich froh, dass es atmet und schreien kann. Dann kommt der erste Blick, das erste Lächeln. Dann kann das Baby eines Tages nach Dingen greifen. Und jedes, wirklich jedes mal, wenn ein Entwicklungsschritt kommt denke ich: wie toll ist das bitte !? Wie wird es denn in der Zukunft, kann das denn wirklich noch besser werden ??
Ich habe diesen Eintrag am 21.10.09 angefangen und dann vergessen. Inzwischen ist März 2010 und mein Baby kann schon laufen. DAS ist mal cool. Und wieder denke ich: es ist so schön, wie es ist, ich kann mir nicht vorstellen, dass es eines Tages NOCH besser wird. Bzw. kann ich mir nicht vorstellen, WIE es dann sein wird. Aber es wird. Schön.
Edit: Als ich letzte Nacht so drüber nachdachte, kam mir noch folgendes in den Sinn: auch mein Iphone hat mal einen Hänger und geht nicht mehr. Das Iphone finde ich total klasse, ein paar Funktionen hat es jedoch nicht, die ich gern hätte. Auch meine PS3 macht manchmal Zicken und sie braucht ein Reset. So ist das im Leben: 100% werden wir wohl nie bekommen – aber das wäre auch langweilig. Erfreue ich mich an dem, was ich habe. Perfektion ist ein für mich nicht erstrebenswerter Zustand.
Was ist Glück ?
Über die Frage habe ich sicher schon so oft nachgedacht, wie jeder andere auch: was ist eigentlich echtes Glück ?
Glückliche Momente hatte ich in meinem Leben schon viele:
Ein Kompliment, einen fetten Bonus, einen tollen Urlaub, den schönsten Sonnenuntergang aller Zeiten, der erste richtige Kuss, der erste Schwips, ein geiles neues Lied, das erste Iphone, ein tolles Konzert undundund. Kennt jeder. Es sind Momente des Glücks oder auch Zeiten des Glücks.
Immer wieder hörte ich von Leuten Dinge wie: „Das wirklich wahre Glück wirst Du erst sehen, wenn Du eigene Kinder hast.“ Blödsinn, dachte ich. Was wissen die denn schon ? Ist doch viel geiler, mit dem Motorrad mit knapp 300 Sachen über die Autobahn zu jagen und sich dabei keine Sorgen darüber zu machen, wie es den Kindern geht und wie die nächsten Klamotten zu bezahlen sind. Glück war für mich: einfach mal fünfe gerade sein lassen und nicht an Morgen denken müssen. Tun und lassen können, was ich will. Freiheit. Das war für mich Glück. Kinder ? Belasten.
Der eine oder andere hat es mitbekommen: seit Dezember 08 habe ich ein kleines Baby. Bis zur Geburt konnte ich mir nicht vorstellen, wie es sein wird. Die Verantwortung. Was ist zu tun ? Werde ich ein guter Vater und: was ist mit meiner Freiheit und meiner Definition von Glück ? Werde ich weiter ein glückliches Leben führen können – wo ich doch dann kaum noch Zeit und gar kein Geld mehr für mich habe, weil alles Geld in Windeln und Kleidung für das Baby investiert werden muss. Oha. Oder auch: Angst.
Ich kann nicht sagen, dass sich mein Leben in dem Moment änderte, als ich das Baby zum ersten Mal auf dem Arm hatte. Da war ich noch ganz benebelt von den Ereignissen. Außerdem konnte ich mit diesem kleinen Baby ja noch nix machen. Nur aufpassen, dass es nicht runterfällt. Damit war ich schon ganz schön beschäftigt. Hoffentlich bricht nicht plötzlich ein Arm ab oder ich habe die Finger in der Hand, weil die so klein und zerbrechlich sind.
So richtig spannend wurde es für mich – für uns – dann, als wir zuhause ankamen. Da wurde mir dann mit einem Schlag klar: MEIN Kind, MEINE Verantwortung, MEINE Zukunft. Die Angst blieb dennoch etwas.
Bis zu dem Moment, als mich das Baby zum ersten Mal angelächelt hat. Zugegeben: das dauerte noch zahlreiche Tage. Bis dahin war ich glücklich, ja. Es war aber noch eine gewisse Unsicherheit vorhanden. Als ich dann vom Baby angelächelt wurde, wusste ich zum ersten mal, was es bedeutet, WIRKLICH glücklich zu sein.
Seit dem hat es so viele Momente gegeben, in denen ich vor lauter Glück geweint habe. Da bin ich ehrlich. Vor Glück weinen ist so schön. Ich dachte, ich hätte vor Glück weinen müssen, als ich das erste eigene Iphone hatte oder als ich in der Südsee am Strand stand. Aber nein: das sind alles vergängliche, käufliche Glücksmomente. Das EIGENE Baby lachen sehen, zum ersten Mal aus der Flasche trinken sehen, wenn es das erste mal krabbelt. DAS sind für mich jetzt die Augenblicke, wo ich echtes Glück verspüre.
Glück definiere ich für mich nun so: es hat sich gelohnt zu leben. Wenn es jetzt zuende geht weiß ich: ich habe wahres Glück empfunden.
Mir erschien es immer unvorstellbar, wie man so glücklich sein kann. Jeder, der keine Kinder hat, kennt das: ja, ganz süß so ein Baby. Aber wenn´s dann schreit, dann ist es doch auch toll, wenn man´s wieder abgeben kann. Nervt doch dann nur. Neenee, das ist ganz anders, wenn es das eigene Baby ist. Wirklich. Glaubt mir.
Für werdende Eltern hier ein Buchtipp: Gernot Gricksch: „Als die wunderbarste Frau der Welt sagte:’Wir sind schwanger!’ (http://bit.ly/TkWe2 ). Perfekt zur Vorbereitung.
Ich habe, nachdem das Baby da war, mein Leben nicht komplett umgestellt. Ich bin noch immer ein Technik- und Musikfreak, sammle DVD´s, spiele mit meinen Ipods herum und bin im großen und ganzen der Alte geblieben. Eigentlich. Denn in Wirklichkeit habe ich mein Leben auf das Baby ausgerichtet: habe meinen Job geschmissen, um mich um das Kind zu kümmern. Mir wurde einfach plötzlich klar, dass es doch noch weit mehr gibt, als ein dickes Einkommen, eine fette Firmenkarre und Erfolg im Beruf. Daraus lässt sich kein wahres Glück ziehen. Das ist alles flüchtig und vergänglich. Das eigene Kind bleibt. Wie wichtig und unverzichtbar ich bin, wurde mir schnell klar, als ich von meinem Job auf eigenen Wunsch freigestellt wurde: ich bekam noch den einen oder anderen Anruf, weil noch Kleinigkeiten zu klären waren. Die Anrufe wurden weniger und heute, nach ein paar Monaten, scheint sich kaum noch jemand an mich zu erinnern. Es gibt immer, immer, immer einen, der den eigenen Job auch machen kann. Niemand ist im Job unverzichtbar. Jeder ist ersetzbar. Beim eigenen Baby sieht das anders aus…
Ich möchte hiermit niemanden animieren, Kinder in die Welt zu setzten. Mich hat es immer genervt, wenn die Kollegen oder Freunde gesagt haben, ich müsse doch nun auch unbedingt Kinder haben, das sei ja so toll. Nee, dass muss jeder mit sich selbst ausmachen. Für mich persönlich gehört auch mehr dazu, als einfach ein Kind zu zeugen: die Umstände müssen stimmen. Den perfekten Moment, ein Kind in die Welt zu bringen, gibt es sicher nie. Dennoch sollte die Partnerschaft sehr gut laufen und man sollte sich zumindest darüber im klaren sein, wie die Familie in den nächsten Jahren ernährt werden kann. Kann zumindest nicht schaden, sich darüber Gedanken zu machen. Aber da bin ich als Mann sicher auch anders als so manche Frau, die offenbar irgendetwas in sich spürt ‘Ich muss ein Kind haben. Jetzt. Um jeden Preis’. So war es bei uns nicht. Zum Glück !
Gerechtigkeit: noch so eine Erfahrung…
Ich habe mir einst fest vorgenommen, nie schlecht über Menschen aus meinem direkten Umfeld zu sprechen. Auch über Verflossene möchte ich grundsätzlich nicht schlecht sprechen. Aus diesem Grunde möchte ich diesen Beitrag a) recht neutral halten und b) einfach mal so tun, als wenn es nicht um mich persönlich ginge.
Es ist jedoch eine kurze Geschichte, die thematisch genau zu meiner These passt:
Es gibt Gerechtigkeit. Immer. Es ist nur eine Frage der Zeit.
Der folgende Beitrag ist etwas komisch verfasst – in der dritten Person (weil es mich ja nicht selbst betrifft…). Man störe sich bitte nicht daran.
Ein Freund von mir war einst viele Jahre glücklich verheiratet. Er führte eine gute Ehe, die von Respekt und Achtung geprägt war. Wie es oft leider so ist, bewegten sich die Interessen der zwei irgendwann nicht mehr in die selbe Richtung. Ist auch egal, wie es dazu kam, wichtig: Sie begann, ihn zu belügen und zu betrügen. Wie lang das Spiel ging, ist leider nicht überliefert und wird sich auch nie aufklären lassen. Ich bin überzeugt, es ging schon eine ganze Zeit.
Es kam also zum Showdown an einem Samstag Morgen, nachdem sie die vorherige Nacht erst gegen 2:30 „von einem Clubtreffen“ zurück nach Hause kam. Sie beichtete, sie habe sich in einen anderen verliebt, sei auch schon mit ihm im Bett gewesen und erklärt hiermit die Ehe für gescheitert und möchte ausziehen. BUMMS. Aus heiterem Himmel. Ich weiss es genau, dass dieses aus heiterem Himmel geschah, waren die zwei doch erst vor zwei Wochen aus einem tollen Urlaub zurückgekommen und haben sogar noch drei Tage zuvor Möbel für die eheliche Wohnung angeschafft.
Der Mann war daraufhin am Boden zerstört und dachte, es ginge nicht mehr weiter. Alle Versuche, das ganze doch noch wieder gerade zu rücken, wurden komplett geblockt. Nein, der Neue sei der Mann der Träume, der genau das wiederspiegel, was sie sich immer gewünscht habe. Liebe sei zwar noch da für den Ehemann, aber es gebe eben einfach keine gemeinsame Zukunft mehr. Um es abzukürzen: es ging dann eines Tages auch um das liebe Geld. Nach einer kurzen Verhandlung wurden die zwei sich einig, welcher Betrag als sozusagen „Abstandszahlung“ für die gemeinsam während der Ehe angeschafften Dinge von ihm zu zahlen sei. Hand drauf, Küsschen, alles erledigt.
Denkste.
Eine Woche später suchte sie dann das Gespräch mit ihrem gehörten Ehemann. Mit verschränkten Armen und ernster Mine sagte sie zu ihm: „Das Geld, dass Du mir zahlen willst, reicht mir nicht. Ich will das Doppelte. Wenn Du Dich nicht darauf einlässt, können wir die gesetzliche Karte spielen und Du musst mir Unterhalt zahlen. Ich habe mich anwaltlich beraten lassen und habe auch schon mal gerechnet, was Du mir zu zahlen hast.“
Überliefert ist, dass bei ihm dann im Kopf ein komischer Film ablief. Er dachte sich: SO. Sie zeigt also jetzt, nach all den Jahren doch noch ihr wahres Gesicht. Das wird sich rächen.
Nach einigem hin und her wurden sich die Zwei dann doch noch einig – irgendwo in der Mitte.
Er zahlte und war allein, sie bekam das Geld und hatte ihren neuen Supermann an der Seite.
Seine Freunde sagten ihm stets: „Pass mal auf, eines Tages wendet sich das Blatt. Das wird sich rächen.“ Schönes Gerede, das in dem Moment nicht hilft, weil man meint, den Boden unter den Füßen verloren zu haben und das es ja sowieso keine Zukunft gibt und überhaupt….
Es dauerte dann jedoch nur wenige Wochen und ….. er hatte eine Neue. Eine Frau, die irgendwie (welch Erkenntnis nach all den Jahren) viel besser zu ihm passt. Was soll ich sagen: die beiden zogen zusammen und gut ein Jahr später war sie auch schon in freudiger Erwartung. Von dem Tag an, an dem er seine künftige Frau kennengelernt hat, war er einer der glücklichsten Menschen, die es gibt.
Dennoch: er musste wohl recht oft an seine „Ex“ denken. Und bekam dann auch einen Anruf:
„Hast Du schon gehört ?? Dein Ex ist nicht mehr mit ihrem Kerl zusammen. Er hat sie verlassen, weil sie so geklammert hat. Außerdem wollte sie wohl auch schnell ein Kind und das wollte so schnell auch nicht.“
Wie sich herausstellen sollte, war sie gerade mal ein dreiviertel Jahr mit ihrem Typen zusammen. Das ist nun schon einige Zeit her. Seit dem läuft wohl nicht viel und sie scheint noch immer allein und auf der Suche zu sein. Das haben wir zumindest von verschiedenen Seiten gehört. Besonders gut soll es ihr dabei nicht gehen. Wie sie wohl gesagt hat „die schwerste Zeit ihres Lebens“. Selbst gewählt sag ich nur.
Ich denke, sie wird so manches mal neidvoll zu ihrem Exmann rüberschauen wollen und sieht, was er hat – und sie gern hätte. Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn sie sich fair verhalten hätte. Ich bin davon jedenfalls überzeugt.
Jetzt mag der eine oder andere den Kopf schütteln und denken So ein Schwachsinn. Ja, vielleicht ist es Schwachsinn. Vielleicht aber auch nicht. Einfach meine These: Wer gut zu anderen ist, dem wird auch gutes wiederfahren. Und umgekehrt. Ich bin sicher kein Mensch der Kirche oder des Glaubens. Meine Lebenserfahrung hat mich aber gelehrt, dass es wohl doch so sein muss bzw. dass zumindest vieles für die These spricht, dass sich schlechtes Verhalten eines Tages rächt.
PS:
Mir steht es hier nicht zu, darüber zu urteilen, ob die Ehe überhaupt noch eine Chance gehabt hätte. Keine Ahnung, wahrscheinlich nicht. Das ist hier auch nicht der Punkt. Es geht einfach um das Thema Fairness.
Es gibt sie: Gerechtigkeit
Also:
Ich begann im Juli 2000 meinen neuen Job und dachte nur noch selten an meinen alten Chef. Nur soviel war mir klar: es war für mich die richtige Entscheidung gewesen, den Laden zu verlassen, was ich ggf. schon viel früher hätte machen sollen: ich verdiente plötzlich deutlich, sehr deutlich mehr als zuvor, hatte mehr Spaß an der Arbeit, lernte neue Leute kennen und hatte die Gelegenheit, ein paar Monate im Ausland zu arbeiten.
So manches mal jedoch dachte ich an ihn: meinen alten Chef… Auf die Frage, warum ich den Job gewechselt hätte, nannte ich stets a) dass mich bei meinem alten Job doch zahlreiche Dinge genervt haben (dazu ggf. später mehr – Einblicke ins Großbankleben) und b) dass ich ein Arschloch als Chef hatte und der mich dazu gebracht hatte, mich überhaupt umzuschauen. Hätte ich ja seinerzeit nicht gedacht, dass mein Jobwechsel eine solche Verbesserung mit sich bringt – und im Nachherein ein echter Karriereturbo werden sollte.
Doch so manches mal – und nicht nur wenn ich darüber sprach – fragte ich mich: was macht mein alter Chef. Sitzt er noch fett und feist mit seiner vom rauchen ledern gewordenen Haut da, hustet ungeniert, dass einem schlecht wird und schickaniert seine Mitarbeiter ? Ich wusste es nicht. Ich wollte es wissen, dachte mir dann aber stets im nächsten Moment: der Typ hat es nicht verdient, dass ich mich immernoch über in ärgere oder mir Gedanken über ihn mache. Nun, wer kennt das nicht: gerade, wenn man an jemanden NICHT denken will, tut man es unweigerlich (erinnert mich an den Test: „Bitte denken sie jetzt nicht an den Eifelturm“ …. denn: das Gehirn kann eine Verneinung nicht als solche erkennen).
Ich deutete es an und so manch einer scheint auch schon darauf zu warten, was denn geschah: ich saß also ca. ein Dreivierteljahr nach dem Jobwechsel am Schreibtisch als mich ein alter Kollege anrief, um mir zu sagen, dass mein alter Chef (ja: genau der) inzwischen nur noch ca. 75 Meter Luftlinie von mir entfernt arbeiten würde. Er sei nun bei einer rennomierten Privatbank gelandet und würde da richtig Gas geben…. Weitere Informationen gäbe es nicht.
Das veranlasste mich dann doch endlich, meine alten Kontakte spielen zu lassen: warum geht jemand nach über 25 Jahren bei einem Unternehmen – also quasi unkündbar – freiwillig woanders hin. Er wurde gut bezahlt, konnte offenbar wilde Sau spielen ohne dafür belangt zu werden und hatte einen tollen Job. So erfuhr ich es:
Meinem Chef wurde der Job, den er machte, zu langweilig und so bewarb er sich intern auf eine Stelle, die seit langem ausgeschrieben war. Es ging um eine Position, die ihm schon vor längerer Zeit angeboten wurde, die er aber aufgrund seiner Position nicht annehmen wollte. Wobei: die Bezahlung wäre besser, etwas geringere Personalverantwortung, dafür aber die Möglichkeit, noch weiter Karriere zu machen (obwohl er schon wirklich weit war…). Aber er hatte ja auf seinem Posten nichts auszustehen. Aber wie es denn so ist, der Job wurde ihm zu langweilig und er bewarb sich auf die eben genannte Position. Das hatte dann zur Folge:
Seine Bewerbung ging an a) die Personalabteilung b) den Betriebsrat und b) seine Vorgesetzten.
In der Zwischenzeit, also vom Zeitpunkt, seitdem ihm der Job das letzte Mal angeboten wurde und dem Eingang seiner Bewerbung, passierten wohl einige Dinge, die sich im Lebenslauf einer Führungskraft nicht so gut machen. Meine gut informierte Quelle berichtete: eine einfache Absage für die Bewerbung wäre nicht gegangen, da die Qualifikationen sowie die Vita die Besetzung der Stelle durch meinen (ex-) Chef gerechtfertig hätte. Zwickmühle. Und so wurde einfach das Profil der neu zu besetzenden Position geändert: 3 Gehaltsstufen unter der bisherigen und geringe Verantwortung. Somit musste die Personalabteilung – leider, leider – eine Absage erteilen. Man hätte aber noch eine schöne, gut dotierte Stelle in Dresden frei – da würde man ihn doch gern sehen (ausgeschlossen: dickes Haus im besten Viertel Hamburgs, alle Freunde hier und noch nie im Osten gewesen…). Da er jedoch auch mit der Bewerbung gezeigt hätte, dass er seine alte Position nicht mehr mag, sollte man sich doch gemeinsam etwas einfallen lassen. Im übrigen gäbe es für seine aktuelle Position auch schon jemanden, der „sehr gern“ dort arbeiten würde.
Jetzt mag man glauben, das seien Zufälle. Ich weiß jedoch verbindlich vom Betriebsrat, dass von denen tüchtig Druck gemacht wurde, dem Kerl keinen anderen adäquaten Job intern anzubieten. Begründung: Mobbing. Unbewiesen jedoch qualifiziert aktenkundig. Der Versuch, ihm zu kündigen wurde aufgegeben, weil die Beweislage zu dünn war.
Man hat also meinem Bericht tatsächlich Glauben geschenkt und diesen auch nicht vergessen, als es darauf ankam.
So blieb meinem Chef nichts anderes übrig, als sich extern nach einer neuen, gut bezahlten Position umzuschauen, was er auch tat. So kam er also erfolgreich zu seiner neuen Position in der kleinen, feinen Privatbank…
Aber warum nun meine Genugtuung:
Es dauerte noch drei Monate, da erhielt ich erneut einen Anruf:
Der Typ habe bei der Privatbank angefangen und sich bereits innerhalb der ersten 14 Tage mit einem gleichgestellten Kollegen in die Haare bekommen (ich kann mir gut vorstellen, wie das ablief…). Es ging um die künftige Ausrichtung der Niederlassung. Dummerweise wurde eben dieser gleichgestellte Kollege nach dann weiteren 8 Wochen in den Vorstand berufen. Seine erste Amtshandlung: die fristlose Entlassung des Kerls, der ihm die Wochen zuvor gehörig auf die Nerven ging: mein Exchef.
Mangels Alternativen und weil sich eine fristlose Entlassung am Bankenmarkt Hamburg sehr, sehr schnell herumspricht, hat er sich dann selbständig gemacht: als Vermögensberater.
Ich will nicht überheblich klingen, aber ich weiß von Busfahrern, sie sich als Vermögensberater selbständig gemacht haben. Aber ein Führungskraft !? Niemals. In einer Funktion, die er innerhatte, hätten ihm eigentlich Tür und Tor offenstehen müssen – andere haben es auch geschafft. Das Telefonat von damals, hierfür verbürgen sich Verantwortliche, wurde ihm zum Verhängnis. Okay, hätte er sich nicht auf eine andere Stelle beworben, wäre vielleicht nichts geschehen. Aber so gab er seine sichere Position auf, wechselte den Job, den er dann verlor (aufgrund seiner großen Schnauze) und endete da, wo für andere die Karriere mit 20 Lebensjahren oder nach einer Karriere als Wirt beginnt.
Ein weiteres Jahr später wurde ein Kollege (der auch von meinem vorherigen Arbeitgeber kam und meinen Exchef gut kannte) von meinem Exchef zu Essen eingeladen. Ob er nicht ein paar Aufträge für ihn hätte – man könne sich ja mal aushelfen. Mein Kollege kam von dem Treffen zurück und schüttelte nur den Kopf. Ich höre ihn noch sagen: „Was für eine jämmerliche Gestalt er geworden ist.“
Das ganze liegt nun schon acht Jahre zurück. Und noch heute erkundige ich mich regelmäßig, was mein Exchef macht: er sitzt in einem winzigen Büro, das total unaufgeräumt ist, und bekommt ab und zu mal ein paar Aufträge. So richtig gern mit ihm zusammenarbeiten will aber angeblich keine mit ihm – er habe eine unangenehme Art an sich und wirke irgendwie unzufrieden.
Komisch.
————–
Ich versichere, dass sich alles genau so zugetragen hat. Ich habe auch hier nichts hinzugefügt oder meiner Fantasie entspringen lassen. Jetzt mag der geneigte Leser sagen: na und – so spannend ist das doch auch nicht. Das sehe ich anders: ein Typ ist über seine große Fresse und sein zu großes Ego gefallen und musste dann erleben, was passieren kann.
Ich bin sicher kein gläubiger Mensch, aber auch diese Geschichte zeigt mir: Jeder bekommt das, was er verdient. Der eine früher, der andere später.
Über Feedbacks freue ich mich.
Rache: das Ende meines 1. Jobs
Nach dem beschriebenen Telefonat mit meinem Chef (ich war selbst Chef von 15 Leuten), zitterte ich am ganzen Leib. Man stelle sich das vor: ich habe in all den Jahren nie wirklich aufgemuckt, immer meine Arbeit gemacht und war meinen Mitarbeitern sicher ein guter Chef.
MEIN Chef hingegen war seit Jahren für seine Art bekannt: in Gutsherrenmanier führte er seinen Laden (seine Niederlassung und die angeschlossenen Filialen – insgesamt sicher ca. 100 Leute). Er war bekannt dafür, quasi jeden Mitarbeiter zum heulen bringen zu können – mit einer Art, die ich damals schon zum Kotzen fand, die ich aber aufgrund meiner Stellung und meiner Erziehung hingenommen habe. Es war aber merkwürdig: alle in der Firma wussten, dass der Typ einen an der Waffel hat und gern Untergebene niedermacht. Aber: keine hat was unternommen ! Selbst seine Vorgesetzten wussten ob der teilweise haarstreubenden Geschichten. Es war sicher eine einfache Rechnung: absägen konnte und wollte ihn niemand, weil seine Methoden auch dafür sorgten, dass der Laden lief und sehr, sehr erfolgreich war. In Konzernen wird dann gern mal über die menschliche Seite hinweggesehen. Wir sind ja nicht im Streichelzoo ! Es gab über meinen Chef so viele Geschichten, dass ich darüber ein Buch schreiben könnte. Es gab damals keinen, der je mit ihm zu tun hatte, der keine Geschichte zum besten geben könnte, was ihm angetan wurde. Auf der anderen Seite war eben dieser Chef auf Feiern oder im privaten Gespräch immer lustig. Tja, aber nur, wenn man von ihm zu den „Guten“ gezählt wurde. Zu denen zählte ich mich. Bis zu eben diesem Telefonat.
Mit weichen Knien verließ ich also das Büro (einige meiner Mitarbeiter haben mitbekommen, dass ich während des Telefonats dunkel anlief und den Hörer aufgeknallt hatte – BEI DEM CHEF ). Ich ging also in ein Besprechungszimmer und atmete erstmal kräftig durch. Bis ich das Zittern im Griff hatte, überlegte ich mir, was ich machen werde: sofort kündigen? Gute Idee, aber ohne Job wollte ich auch nicht sein. Dem Kerl die Reifen aufstechen ? Super Idee, ich hatte auch schon einen Plan, wie ich das machen könnte, ohne jemals erwischt zu werden. Nur: ich war und bin nicht kriminell. Außerdem hätte ich viel zu viel schiss davor gehabt. Nein, also auch keine gute Idee.
Während ich so nachdachte, kam eine Mitarbeiterin ins Zimmer und fragte, ob sie wohl richtig gehört hätte: sie hätte verstanden, ich hätte dem allseits gefürchtetem Chef meine Meinung gehustet und dann aufgelegt. Das könne aber wohl kaum sein, oder ? Als sie dann mein Gesicht sah wusste sie: es ist tatsächlich so geschehen. Statt eines Angstschreis, eines Ohnmachtsanfalls oder was es noch so alles hätte geben können, geschah etwas, mit dem ich nicht gerechnet hätte: sie gratulierte mir. Der Sack hätte das nicht besser verdient. Das machte mich zunächst sehr glücklich, hielf mir aber in der Situation natürlich auch nicht. Ich hatte einen Chef, der mich nicht mehr will, quasi eine aussichtslose Situation und keinen neuen Job in Sicht.
Ich wollte Rache.
So kam mir die Idee: ich wollte allen, die ich kenne und die auch meinen Chef kennen, von dem Telefonat und der Drohung erzählen. Denn das Fazit des Gespräches war eindeutig: tust Du nicht, was ich sage, fällst Du in Ungnade und wirst bis zum Ende Deiner Tage nichts mehr zu lachen haben in diesem Laden. Nie wieder eine Gehaltserhöhung, den kleinsten Bonus, immer Stress.
Nachdem ich also ein Glas Wasser bekommen hatte, erzählte ich meiner Mitarbeiterin von dem Gespräch im Detail. Ich ließ nichts aus und fügte nichts hinzu. Ich blieb einfach sachlich. Am ende des Gespräches nickte sie und sagte: „Typisch. Aber was wollen sie jetzt tun?“ Da war es klar: ich tue es wirklich. So sprach ich zunächst mit jedem meiner Mitarbeiter und berichtete von dem Telefonat. Ich sprach auch am selbsten Tag noch mit der Kreditabteilung und erläuterte, was vorgefallen war. Dort versuchten die Kollengen noch, den Vorfall herunterzuspielen und an meiner Statt die Unterschrift zu leisten. Wollte ich aber nicht. Ich hatte mich entschieden, den Kampf David gegen Goliath aufzunehmen und ich wollte mich davon nicht abhalten lassen.
Noch am selben Tag vereinbarte ich einen Termin beim Betriebsrat und in der Personalabteilung: ich hätte etwas wichtiges mitzuteilen.
Bereits am kommenden Tag war ich in der Zentrale und sprach mit den entsprechenden Leuten. Auch hier: Kopfschütteln. Man bedenke: was mein Chef von mir verlangt hatte, war kein Kavaliersdelikt sondern quasi die Aufforderung zu einer Straftat. Besonders pikant wurde diese jedoch erst durch die angedrohten Konsequenzen. Also Erpressung. Was mich nicht wunderte war die Tatsache, dass weder vom Betriebsrat noch von der Personalabteilung kritische Fragen gestellt wurden. Meiner Darstellung wurde ohne Wenn und Aber Glauben geschenkt. Auch hier hatte ich eingangs angekündigt, lediglich den Sachverhalt sowie Gesprächsinhalte wiederzugeben ohne etwas auszulassen oder hinzuzufügen. Emotionsfrei (soweit das möglich war). Bei der Gelegenheit holte ich mir das Versprechen vom Betriebsrat und der Personalabteilung ein, dass der Vorgang aktenkundig wird und auch der Geschäftsleitung (also dem Chef meines Chefs) zugetragen wird. Das Versprechen erhielt ich auf Anhieb.
Bei dem Gang durch die Zentrale traf ich dann noch den einen oder anderen Kollegen und erzählte allen munter meine Geschichte, die ich inzwischen schon in der Kurzform wiedergeben konnte. Dabei bat ich höflich, diese Geschichte gern weiterzutragen. Aber bitte nichts hinzufügen – höchstens ergänzen um eigene Erfahrungen.
Auch die nächsten Tage nutze ich dazu, das erlebte weiter zu tragen. Ich war schon lang in dem Laden beschäftigt, kannte viele Leute und keiner, nicht ein einziger, bezweifelte, dass es sich genau so zugetragen hat, wie ich es erzählte. Kein „Ach, jetzt übertreibst Du aber“. Lediglich: „Gut, dass jetzt endlich mal einer die Geschichten an die große Glocke hängt. So kann das ja auch nicht ewig weitergehen.“
Ich hatte also die Saat gestreut. Keine üble Nachrede oder ähnliches. Lediglich die Wiedergabe von selbst erlebten. Also durchaus nicht unehrenhaft.
Mir war klar: in dem Laden kannst Du nicht alt werden. Den Kampf „er oder ich“ konnte ich aus meiner Sicht nicht gewinnen. Rausschmeissen würde ihn niemand, ich war jedoch überzeugt, dass die gerechte Strafe auch ihn eines Tages ereilen würde. Dennoch: es gab in der Firma noch ein paar andere Dinge, die mich störten (wichtiges, aber anderes Thema) und so musste ich mir was Neues suchen.
Bevor ich zu sehr abschweife: es dauerte nur wenige Wochen und ich hatte einen neuen Job. Ich unterschrieb den neuen Vertrag, kündigte bei der alten Firma, arbeitete fleissig bis zum letzten Tag weiter und verlor kein Wort mehr über die Geschichte.
Was ich dann, ca. ein Jahr später erfuhr, liess mich jedoch aufhorchen und an die Gerechtigkeit glauben.
(Leider muss ich an dieser Stelle abbrechen, Fortsetzung folgt)
Der erste Arbeitstag: 1983
Es war der 1. August 1983, ein Montag. Die Sonne brannte vom Himmel, als wollte sie mich auslachen: ich musste das erste mal in meinem Leben in einem Anzug in die S-Bahn steigen. Es war die Hölle. Ich fühlte mich, als hätte ich ein Clownskostüm an: alle starrten mich in der S-Bahn an, einige kicherten und tuschelten hinter meinem Rücken. Von alten Omis erhielt ich mitleidige Blicke.
In Wirklichkeit hat mich sicher gar keine beachtet, aber ich fühlte mich so unwohl in den Klamotten und außerdem war es super heiß. Ich meinte also wohl nur, von allen beobachtet zu werden: eine 16 jährige Wurst, ein Würstchen, auf dem Weg zur Arbeit… In meiner Erinnerung waren mindestens 30 Grad im Schatten. Wie warm es wirklich war, weiß ich heute nicht mehr.
So kam ich also rechtzeitig mit den anderen Azubis im „Ausbildungszentrum“, oberstes Stockwerk in der Zentrale der Macht, an. 13. Stock oder so, keine Ahnung. In einem großen Raum sammelten sich alle meine Mitstreiter und da war klar: ich habe einen Fehler gemacht. Ich kam mir vor, wie ein Rocker, der sich in der Tür vertan hat und statt auf einem Heavy Metal Konzert plötzlich bei Roger Whitaker gelandet ist: gelackte Typen, die ihr Leben lang geil darauf waren, endlich mal einen Anzug von Mutti und Vati zu bekommen, um damit stolz durch die Gegend zu laufen. Ich hätte schreiend rauslaufen können. In ersten schüchternen Gesprächen stellte sich dann raus: die Jungs und Mädels waren richtig heiß auf die Lehre und freuten sich schon darauf, viel zu lernen und bald zur Berufsschule zu gehen. Wie scheiße ! Ich wollte ja nur aus der Schule raus, um Geld zu verdienen. Von Spass war gar nicht die Rede. Und lernen: okay, aber gern ?
Es war also klar: aus der Nummer komme ich nicht mehr raus: Lehrstelle bekommen, jetzt musste ich da durch. Was sollte ich auch anderes tun ?
Nach einer Woche Einführungsseminar und der Erkenntnis, dass ich hier nie Freunde fürs Leben gewinnen werde, ging es auf die Zweigstelle. Dort waren lauter nette Menschen und ein Innenleiter (so was gab es damals bei den Banken; der Innenleiter ist für den ordnungsgemäßen Ablauf interner Vorgänge verantwortlich. Nimmt die Kasse auf sorgt dafür, dass das Toilettenpapier immer aufgefüllt ist. So war es zumindest damals).
Der Innenleiter, das sollte ich schnell erfahren, war ein echtes Arschloch. In der Zweigstelle arbeitete eine leicht behinderte alte Dame, die sehr freundlich, aber eben etwas langsam war. DIE musste sich was anhören. Ich als kleiner Azubi hatte mich da nicht einzumischen, aber auch die anderen sagten nichts. Ich wurde die erste Woche noch verschont, aber dann hatte der Innenleiternazi ein neues Opfer: mich. Bei jeder Gelegenheit wurde ich darüber informiert, dass ich in der Nahrungskette GANZ unten stehe und sowieso alles falsch mache. Ich bin nicht sehr abergläubisch, aber ich habe den Typen damals, in meinem ersten Lehrjahr wirklich verflucht. Einige Jahre später traf ich ihn dann zufällig in der Zentrale wieder: ich hatte schon fix Karriere gemacht und er durfte Geld bestellen für die Zentralkasse. Als er mich sah, machte er einen Bückling, weil er wusste, dass ich es geschafft hatte und deutlich mehr verdiente als er, der als arme Wurst im Keller einer Bank seine letzten Jahre bis zur Pensionierung fristen muss. Ob es an meinen Flüchen gelegen hat? Wer weiss das schon. Aber: es war für mich keine Genugtuung, der Typ tat mir dann doch etwas leid.
Genauso erging es übrigens einem meiner nächsten Chefs: er ließ mich gern mal eine oder eineinhalb Stunden vor seinem Büro warten. Nicht, weil er soviel zu tun hatte, sondern weil er seine Macht demonstrieren wollte. Nicht nur bei mir, er ging auch mit anderen Untergebenen so um. Auch er landete als jämmerliche Wurst in einer scheiss-Abteilung, weil man ihn aus der Personalabteilung, in der er tätig war, rausgeschmissen hat.
Da war für mich klar: jeder bekommt das, was er verdient. Der eine früher, der andere später. Aber irgendwie scheint es Gerechtigkeit zu geben. Ich zumindest glaube daran.
Ich schweife ab: also in der Bank waren viele Typen,die es toll fanden, Anzüge zu tragen und anderen Menschen, bevorzugt Chefs oder Kunden, in den Hintern zu kriechen. Ich fand das immer doof und hab es auch immer gesagt. Hat aber auch nichts genützt, irgendwie mochten mich doch fast alle und so machte ich in der Bank, in der ich meine Lehre gemacht habe, eine nicht überragende, aber doch ganz gute Karriere. Mit 30 war ich Prokurist und verdiente gutes Geld. Für einen Realschüler gar nicht so schlecht.
Das Arbeiten mit Kunden gefiel mir all die Jahre sehr gut und ich meine, in meinem Job auch ganz gut gewesen zu sein. Ich bekam dann irgendwann Personalverantwortung – das machte mir auch Spaß. Ich hatte 15 Leute, die mir an den Lippen zu hängen hatten. Wir kamen gut miteinander aus und ich bin sicher, alle dort hatten schon schlechtere Chefs.
In der Zeit, ich war inzwischen schon 16 Jahre in dem Verein, wollte mich mein damaliger Chef dazu zwingen, einen Kreditvertrag zu unterschreiben, der a) den damals gültigen internen Regeln und b) einigen gesetzlichen Vorschriften nicht gerecht wurde. Ausserdem war der potentielle Kreditnehmer ein Idiot und ich hätte mir lieber die Hand abgehackt, als den Kredit zu genehmigen. So kam es am Telefon zum Showdown (leider gab es somit keine Zeugen, die hätte ich gut gebrauchen können): ich sagte meinem Chef, ich würde den Vertrag ums verrecken nicht unterschreiben, solle er das doch bitte selbst machen. Wutanfall, Gebrüll, ich solle mir einen neuen Job suchen. Ich legte einfach auf. Und suchte mir einen neuen Job.
Mein damaliger Chef wird sich aber sicher noch heute an das Gespräch und die Folgen erinnern. Warum, schreibe ich beim nächsten mal. Soviel vorab: ich hatte keine Chance, ihn zu verklagen oder Geld zu fordern. Aus heutiger Sicht hätte ich es unbedingt versuchen sollen, aber ich war zu anständig und meinem Arbeitgeber auch noch moralisch sehr verpflichtet. Schade.
Meine Genugtuung erhielt ich später….
Fortsetzung folgt…
Wie alles begann
1982 – ich war damals 15 Jahre alt, ging es los:
„Was willst Du eigentlich mal werden ?“ Tja, keine Ahnung… Ein Job, der mit Menschen zu tun hat sollte es sein und an der frischen Luft wollte ich mich auch bewegen können. Nicht so ein Sesselpupserjob, bei dem man kein Tageslicht zu sehen kriegt. So kam ich zu meinem Traumjob Schiffsmakler. Man bedenke: in den frühen 80ern haben sich die Schiffsmakler schön die Taschen vollgestopft. War mir egal, ich wusste es auch nicht mal. Die Tatsache, dass der Job gut lief hatte aber für mich eine einfache Folge: ich fand keine Lehrstelle. Mit einem durchschnittlichen Realschulabschluss (es deutete zumindest alles darauf hin, dass ich nicht dem besten Abschluss hinlegen werde), haben die paar Makler in Hamburg, die für mich in Frage kamen, mir nicht gerade die Bewerbungsunterlagen aus den Händen gerissen.
Was nun ? Mein Onkel war Steuerberater, ein in meinen Augen langweiliger aber immerhin ehrbarer Beruf. Und mein Onkel war ja auch sehr nett, von daher kann der Beruf nicht so schlecht sein. Praktikum, bei dem ich tagtäglich damit beschäftigt war, Kaffee zu kochen und irgendwelche Pseudo-Zahlen zu „analysieren“ – von denen ich wusste, dass sich kein Mensch für das Ergebnis interessiert. Man wollte mich einfach nur beschäftigt sehen. Den Beruf fand ich dann ziemlich schnell schlicht und einfach scheisse.
Mein Problem war jedoch: ich wollte unbedingt aus der Schule raus, um eigenes Geld zu verdienen. Ich bekam so wenig Taschengeld von meinen Eltern, dass es mir nicht möglich war, mit meinen Kumpels, die auch noch zur Schule gingen, ansatzweise mitzuhalten. Nun waren meine Eltern nicht arm oder so, sie meinten einfach nur, ich würde mit dem Geld auskommen müssen. Aus heutiger Sicht ein fataler Fehler, den ich bei meinem Kind sicher nicht wiederholen werde. Hätte ich nämlich anständiges Taschengeld erhalten und die Möglichkeit bekommen, auch mal etwas länger wegzugehen, wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, die Schule schon mit 16 zu beenden.
Realschulabschluss war damals okay, heute ginge damit wohl wirklich nicht mehr viel. Es vergeht aber kaum ein Tag, an dem ich mich ärgere, nicht doch weiter zur Schule gegangen zu sein.
Und so kam es dann dazu, dass ich mich bei einer großen Bank beworben habe. Nicht, weil ich ganz dringend in eine Bank wollte, sondern weil das eine bequeme Möglichkeit war, eine Lehrstelle zu kriegen: mein Vater arbeitete seinerzeit zufällig in der Bank und so war es nicht ganz so schwierig, eine der begehrten Lehrstellen zu bekommen.
Ich beendete also meine Schule im Sommer 1983 und begann im August meine Lehre. Der erste Tag wird mir immer in Erinnerung bleiben. Gerade aktuell muss ich oft an die Zeit denken und muss feststellen: schon damals war klar: ich werde nie ein Banker.
Fortsetzung folgt…
Letzter Arbeitstag
Heute, am 29.05.09 ist mein letzter Arbeitstag. In dem Unternehmen, in dem ich tätig bin, arbeite ich seit mitte 2000. Eine recht lange Zeit, 35% meiner Arbeitszeit habe ich hier verbracht, immerhin 21% meiner Lebenszeit. Oha. Ich werde aber mit dem heutigen Tag nicht nur dieses Unternehmen verlassen sondern wende mich von einer Branche ab. Hinzu kommt: ich habe gar nicht vor, in nächster Zeit wieder zu arbeiten. Das ist ein wirklich komisches Gefühl. Ich werde nachher nach Hause fahren und in meiner jetztigen Funktion nie wiederkehren.
Alles Mails sind gelöscht, ein Autoreply ist eingestellt. Den Firmenwagen habe ich heute morgen abgegeben, Schreibtisch ist leer (bis auf ein Foto meiner Frau), das Firmenhandy habe ich an einen Kollegen weitergegeben, der es gebrauchen kann.
Langsam macht sich eine gewisse Leere breit.